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     Otto Könnecke - der Atlantikflieger
 
Otto Könnecke der Atlantikflieger
Otto Könnecke
Einer der ersten Piloten der jungen Luft Hansa AG war Otto Könnecke, der am 20. Dezember 1892 in Staßfurt geboren wurde und dort seine Kindheit verbrachte.
Leider ist über Otto Könnecke nur wenig bekannt. Zusammen mit  Fritz Rumey und Josef Mai bildete er das "goldene Triumvirat" und verhalf so der Jasta 5 zu einer hohen Anzahl von Abschüssen im 1. Weltkrieges. Er schoss 33 feindliche Flugzeuge ab und bekam dafür, neben anderen Orden, den Pour-le-Merit verliehen. Nach dem Krieg war er einer der ersten Berufspiloten der neuen Luft Hansa AG.
Nachdem Charles Lindberg den Flug von Amerika nach Europa geschafft hatte, versuchten viele europäische Flieger den umgekehrten Weg von Europa nach Amerika. Viele dieser Flieger wurden nach ihrem Start nie wieder gesehen. Andere mußten den Flug abbrechen. Und wieder andere wählten andere Wege, um als erste von Europa nach Amerika zu fliegen.

Die Caspar C 32 am 20.08.1927 in einer Halle des Flughafens Köln Butzweilerhof. Hier noch mit der Aufschrift "Köln".


Nach dem 1. Weltkrieg und mit der Entwicklung der zivilen Luftfahrt plante auch Otto Könnecke den Aufbau einer Luftfahrtlinie zwischen Europa und Amerika. Er gründete die Luftfahrtlinie "Germania" mit Sitz in Köln. Bevor er aber Passagiere nach New York fliegen konnte mußte die Linie zumindest einmal beflogen werden. Schließlich war vorher noch niemand nach Amerika geflogen. Diesen Flug wollte Könnecke mit einem umgebauten offenen Doppeldecker vom Typ Caspar C32 durchführen.

Diese Maschine war vorher als Agrarflugzeug eingesetzt worden und mußte für den Flug mit zusätzlichen Tanks erweitert werden. Dazu wurde der Streubehälter des, vorher für großflächige Sprüh-aktionen eingesetzten Flugzeuges, entfernt. In diesen kabinenartigen Raum wurden dann Regale für die Treibstoffkanistern eingebaut.
„Köln als Überseeflughafen“.
Unter dieser Überschrift erschien am 12. August 1927 ein Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger Nr. 403:
Im Hinblick auf die von dem Flieger Koennecke geplante Ozeanüberquerung ab Köln, werden hier Überlegungen über den besten Abflugort für einen Überseeflugverkehr angestellt. Man kommt zu dem Schluß, dass sich Köln wegen seiner guten Lage am Rhein, seiner geringen Entfernung zum Atlantik, seiner ausgezeichneten verkehrsgeographischen Lage und der günstigen Wetterverhältnisse besonders gut eignet.
Der Luftfahrtmitarbeiter der Kölnischen Zeitung, Hauptmann a. D. Dr. Hildebrandt, hatte bereits vor einiger Zeit als geeignesten Ort für einen Wasserflughafen die Windungen des Rheins nördlich von Köln bezeichnet. Die Schwierigkeiten der großen Startlänge der Wasserflugzeuge sowie der unterschiedlichsten Windrichtungen sind seiner Meinung nach durch geeignete künstliche Startmittel (Startplattform auf Schienengleise entlang des Ufers) zu lösen.

Nachdem Koennecke, vielleicht auf Grund dierser Vorteile, den Flughafen Köln Butzweilerhof als Startplatz für seinen Ozeanflug ausersehen hatte, beschloss die Kölner Stadtverwaltung, ihn mit einer Summe zu unterstützen. Die Zeitungen nennen 35.000 Mark. Die Maschine sollte als Werbeträger für die 1928 in Köln stattfindende internationale Presseausstellung fungieren.
Koennecke testet mit einem 20stündigen Dauerflug sowie mit Belastungs-Probeflügen die Flugtauglichkeit der Maschine.
Der Start zum Ozeanflug muß wegen schlechter Witterung mehrmals verschoben werden.
 


Am 20. September 1927 startete Otto Könnecke dann endlich zu seinem gefährlichen Flug vom Flughafen Köln Butzweilerhof nach Amerika über Indien. Zunächst war der Flug über den Atlantik geplant, mußte aber wegen eines Sturmtiefs mehrmals verschoben werden. Aus diesem Grund kam Könnecke auf die Idee "hinten rum", also über Indien, zu fliegen.
Gesponsert wurde das Unternehmen durch die Stadt Köln, die sich für die im kommenden Jahr stattfindende Messe "Pressa" eine Werbemaßnahme versprach. Außerdem bestand Oberbürgermeister Adenauer, obwohl er im Urlaub war, auf Benachrichtigung.
Die auf dieser Seite gezeigten Bilder müssen in den Wochen vor dem Start, also vor dem 20. September 1927, vom Luftpolizisten Albert Grünberg aufgenommen worden sein. Er schreibt die Bildunterschrift in der Vergangenheit, aber im Hintergrund ist die "Germania" zu sehen, die auf dem Flug nach Amerika in Indien schwer beschädigt wurde. Auch läßt die Bildunterschrift darauf schließen, dass ein Abbruch der Atlantiküberquerung geplant oder schon beschlossen war.

Bei den Flugvorbereitungen, die auf den Fotos zu sehen sind, handelt es sich wahrscheinlich um Probeflüge die Könnecke durchführte, um die Maschine und die optimale Zuladung zu prüfen.


 


Otto Könnecke der Atlantikflieger auf dem Flughafen Köln Butzweilerhof


Caspar C 32 "Germania" von Otto Könnecke  vor dem Flug nach Amerika auf dem Flughafen Köln Butzweilerhof


Caspar C32 Germania von Otto Könnecke auf dem Flughafen Köln Butzweilerhof

 
Die Caspar C32 "Germania" von Otto Könnecke auf dem Flughafen Köln Butzweilerhof. Wahrscheinlich handelt es sich hier um eine Motorprüfung oder einer der Probeflüge die Otto Könnecke vom Butzweilerhof aus unternahm.

Otto Könnecke starb am 25. Januar 1952 in Bad Aibling und wurde auf dem städtischen Friedhof begraben. Sein letzter Landeplatz hatte die Position Section 13, Reihe 7, Grab 55. Das Grab wurde 1984 neu belegt.
                                       
                                       
     Der Flug nach Amerika
 
Karikatur von Gerhard Fieseler über Otto Könnecke und seinen Flug nach AmerikaOtto Könnecke plante die Route ursprünglich mit großer Wahrscheinlichkeit über England, Schottland, Island, Grönland und Neufundland an die Ostküste von Kanada und von dort in die USA. Leider herrschte über dem Atlantik ein Sturm, den er mit seiner Maschine nicht durchfliegen bzw. umfliegen konnte. Also kam er auf die Idee "hinten rum" zu fliegen. Er wählte die Route über Ungarn, Rumänien, die Türkei, Persien, Indien, Korea und Japan. Dann über China und die Sowjetunion auf die Halbinsel Kamtschatka. Von dort hätte er den eigentlichen Flug von Eurasien auf den amerikanischen Kontinent durchgeführt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre er dann an der Westküste von Nordamerika Richtung Süden geflogen. Wahrscheinlich plante er, nach einem Besuch der Städte Los Angeles und San Francisco die USA zu durchqueren, um dann von New York aus wieder nach Norden zu fliegen. Über die Strecke Neufundland, Grönland, Island, Faroer, Schottland und England wäre er, diesmal mit Rückenwind, als 1. Weltumflieger wieder in Deutschland, vielleicht wieder auf dem Butzweilerhof, gelandet.

Seinen Abflug vom Flughafen Köln Butzweilerhof muß eine sehr große Menschenmenge angezogen haben. Schließlich gab es damals zwar Zeitungen, die das Ereignis natürlich begleitet und kommentiert haben, aber das Radio steckte noch in den Kinderschuhen, und die Entwicklung einer Art Fernsehen gab es nur in Versuchslaboratorien.
Als Otto Könnecke am Dienstag, den 20. September 1927 startete, um Weltfluggeschichte zu schreiben, haben dies mit großer Wahrscheinlichkeit sehr viele Menschen miterlebt. Während dieser Vorbereitungsphase namm der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, von seinem Urlaubsort persönlich Anteil am Fortgang des Projekts. Am 12. August 1927 telegraphierte er an die Flugleitung: „Dem Flieger Koennecke ist jede Erleichterung zu gewähren.“ Und vier Tage später: „Bitte mich über Amerikaflug Koennecke telegraphisch auf dem Laufenden zu halten.“

Bild rechts: Der Fliegerkamerad Gerhard Fieseler zeichnete nach Könneckes Abflug diese Karikatur.



  
URSPRÜNGLICH GEPLANTE ROUTE
GEFLOGENE ROUTE
MÖGLICHE WEITERE ROUTE
 
Mögliche bzw. geplante Flugroute von Otto Könnecke von Köln nach New York

Graf zu Solms-Laubach beschreibt den Abflug aus Köln in einem kleinen Buch "Asienflug und Heimkehr" wie folgt:
 
" Nach einigen kritischen Minuten weiß man, daß es geschafft ist" - steht in meinem Tagebuch über den Start in Köln. Einige Minuten waren allerdings recht kritisch. Die an sich sehr schwere "Germania" war hochbelastet. Allein an Betriebsstoff hatten wir mehr als 1000 kg an Bord, dazu kam eine Menge Gepäck: Werkzeug, Proviant, ein Gummiboot, eine Kiste mit Leuchtpistole und Munition, Handwaffen, Reserveteile für den Motor. Unsere persönliches Gepäck war sehr beschränkt. Jeder hatte eine kleine Handtasche und einige Bekleidungsstücke (Leder- und Wollsachen) noch nebenher verstaut. - Die Maschine erhob sich aber verhältnismäßig leicht. Wir stiegen langsam höher und überflogen nach weitausholender Kurve den Flugplatz etwas 10 Minuten nach dem Start, die letzten Grüße nach unten winkend. Dann lag Köln mit seinem ehrwürdigen Dom unter uns - der Rhein wies den Weg nach Bonn. Ich trug die Startzeit ins Bordbuch ein: genau um 14:00 Uhr waren wir abgerollt."
 
An dieser Stelle möchte ich mich beim Enkel des hier erwähnten
Graf Georg Fredrich zu Solms-Laubach für die freundliche Überlassung des Buches bedanken.
               
Abflug der Caspar C 32 Germania von Otto Könnecke vom Flughafen Köln Butzweilerhof am 20.09. 1929 gemalt vom Kölner Maler Friedl Wülfing

Links:
Der Start der Caspar C32 "Germania" auf dem Flughafen Köln Butzweilerhof am 20.09.1927.
Ein Gemälde des Kölner Malers
Friedl Wülfing.
 
Im Hintergrund:
Rechts der Flughafen Köln Butzweilerhof,
Mitte die Silhouette von Köln mit dem Dom.
Links die Riesenflugzeughalle


Mit vielem Dank an Herrn Wülfing, der mir dieses Bild freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

 
               
   
Chronik Butzweilerhof Start Könnecke Nachricht an Adenauer
  Der damalige Chronist des Flughafen Köln Butzweilerhof, Stadtinspektor A. Krath, vermerkt dazu in seiner Chronik:
 
 
    20.09.27
Könnecke startet mit Graf Solms
um 14,22 zum Ost-Asien-Flug
                   anwesend u. a. O.B. Dr. Adenauer

nachdem der Oceanflug endgültig
aufgegeben worden war.
   
 

                                       
Flugroute Otto Könnecke Köln, Frankfurt, Wien, Budapest, Belgrad, Konstantinopel, Prinzen-Inseln, Angora, Aleppo, Bagdad, Basra und Bender-Abbas. Auf dem Flug von Karatschi, Delhi, Etawah
Die Strecke führte über die Route Frankfurt, Wien, Budapest, Belgrad, Konstantinopel, Prinzen-Inseln, Angora, Aleppo, Bagdad, Basra und Bender-Abas. Auf der Strecke zwischen Basra und Bendar Abas geriet die Maschine in ein Luftloch. Otto Könnecke konnte die Maschine durch seine schnelle Reaktion retten. Allerdings verletzte sich Graf Solms so schwer am Kopf, dass er das Unternehmen beenden mußte und zurück nach Deutschland reiste. Auf dem Flug von Karatschi nach Delhi kam es im Bezirk Etawah zu einem irreparablen Motorschaden. Otto Könnecke und sein Mechaniker Johannes Hermann mußten das Unternehmen, das beinahe zur ersten Weltumrundung mit dem Flugzeug geführt hätte, abbrechen.
Wie Könnecke und Hermann zurück nach Deutschland kamen, ist leider nicht bekannt.
 


Zeitungsartikel zum Start von Otto Könnecke 


Nur ein halbes Jahr später im Frühjahr 1928 schafften die drei Europäer Hermann Köhl, Ehrenfried von Hünefeld und James Fitzmaurice den ersten "Sprung" von Europa nach Amerika.
                                       
                                       
     Das Flugzeug Caspar C 32  "Germania"
Die Caspar C 32 war ursprünglich als Agraflugzeug geplant. Für den Amerikaflug wurde sie mit zusätzlichen Tanks ausgerüstet um eine höhere Reichweite zu bekommen. Diese Tanks wurden wärend des Fluges durch Graf Solms-Laubach durch manuelles Umpumpen aus Zusatzkanistern nachgefüllt. Während des Fluges über die Wüsten des Nahen Ostens drohte der Motor wegen Überhitzung zu explodieren. Graf Solms-Laubach konnte dies vermeiden, weil er wärend des Fluges Löcher in die Motorverkleidung schnitt.
                                       
Caspar C 32 "Germania" auf dem Flughafen Köln Butzweilerhof
Typ:     Caspar C 32
        "Germania"
             
Gebaute Exemplare: 4    
             
Geplante Verwendung: Agrarflugzeug
             
Reichweite: 7500 km
        (nach Umbau)
Besatzung:  
  Pilot:   Otto Könnecke
  Mechaniker:   Johannes Herrmann
  Heizer:   Georg Friedrich Graf
  zu Solms-Laubach
     
             
             
             
             
             
             
             
             
             
             
                                       
                                       

Graf zu Solms-Laubach schreibt am Ende seinem Buchs:
"Die "Germania" ist einige Tage später glücklich gestartet, blieb aber in Etawah in Vorderindien wieder liegen. Dort ist sie heute noch."

Was aus der Maschine geworden ist, ist nicht bekannt. Nachdem sie wahrscheinlich mit dem Dampfer "Stolzenfels" zurück nach Hamburg gebracht wurde, verliert sich Ihre Spur.

                                       
                                       
   
In der Session 1928 würdigte die kleine Karnevalsgesellschaft "KARNEVALS-GESELLSCHAFT AM-ZOO" in Köln-Riehl den Flug mit einem Karnevalsorden.
Hierbei tanzt ein Narr über die Maschine während er dabei einen Geldsack mit der Aufschrift 5000 schwenkt.

Bitte bewegen Sie den Cursor über den Karnevalsorden.
 
Karnevalsorden Germania 1929
   

 
 
    
    
   
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